26.02.2010, 21:05 Uhr
Andreas Birnbacher läuft seiner Form hinterher. (Foto: imago)
Die deutschen Biathlon-Fehlschützen reisen nach dem historischen Staffel-Debakel von Whistler erstmals seit 42 Jahren ohne Olympia-Medaille nach Hause.
Beim olympischen Abschiedsrennen des scheidenden Bundestrainers Frank Ullrich blamierten sich Michael Greis und Co. mit Platz fünf im dichten Flockenwirbel auch im fünften Rennen. Gold gewann vier Jahre nach dem deutschen Triumph von Turin Norwegen mit Schlussläufer Ole Einar Björndalen, der sich seinen sechsten Olympiasieg holte.
"Es tut mir leid. Ich habe beim Schießen am ganzen Körper gezittert. Ich hatte gar keine Chance zu treffen, weil ich so eine Nähmaschine hatte", sagte Andreas Birnbacher. Er verlor die Staffel an Position zwei fast im Alleingang, als er am Schießstand völlig die Kontrolle verlor und gleich zwei Strafrunden drehen musste. Nach seiner Fehlleistung hatte DOSB-Präsident Thomas Bach genug gesehen und ging vorzeitig. Am Ende kamen der starke Startläufer Simon Schempp, Birnbacher, Arnd Peiffer und Greis mit 1:37,9 Minuten Rückstand auf Sieger Norwegen ins Ziel. Silber gewann Österreich vor Russland.
Letztmals ohne Olympia-Medaille waren die deutschen Biathlon-Männer 1968 in Grenoble geblieben - damals standen jedoch nur zwei Rennen und nicht fünf wie diesmal auf dem Programm. Seitdem hatten deutsche Staffeln immer Medaillen bei Winterspielen gewonnen, davon bei den letzten fünf viermal Gold.
Der in den Einzelrennen nicht zum Einsatz gekommene Simon Schempp feierte ausgerechnet in der Staffel sein Olympia-Debüt. Er war für den erkälteten Christoph Stephan ins Team gekommen. Er machte seine Sache im feuchten Schneefall gut. Der 21-Jährige musste beim Stehendschießen zwar einmal nachladen, aber er wechselte nach einer starken Leistung als Dritter mit nur 2, 9 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Russland. "Das habe ich ganz gut gemacht, dabei konnte ich den Tag vor dem Rennen vor Aufregung nicht mehr stillsitzen", sagte Schempp.
Andreas Birnbacher übernahm, ging beim ersten Schießen nach einer fehlerfreien Vorstellung in Führung und leistete im Tiefschnee taktisch unklug die ganze Führungsarbeit bis zum zweiten Schießen. Das sollte sich bitter rächen, denn es fiel die Vorentscheidung gegen die deutsche Staffel. Birnbacher verlor völlig die Kontrolle, schoss teilweise meterweit an den Scheiben vorbei, musste zwei Strafrunden drehen und büßte über eine Minute ein. "Wir werden einen Schießtrainer verpflichten", hatte Sportdirektor Thomas Pfüller schon vor dem Rennen gesagt.
Birnbacher übergab bei Halbzeit des Rennens mit 1:21,7 Minuten Rückstand auf Norwegen als Zehnter und verschwand frustriert im Wachscontainer: "Ich musste den Schneepflug spielen und hatte einfach keine Kraft." Arnd Peiffer leistete sich an Position drei nur beim zweiten Schießen drei Nachlader und übergab mit 1:47,3 Minuten Rückstand an Schlussläufer Michael Greis. Der hatte keine Chance mehr - es gab auch beim letzten Anlauf keine Medaille für die deutschen Fehlschützen. Sie hatten vor vier Jahren bei Olympia noch mit fünfmal Edelmetall, davon viermal Gold überragt.
Ullrich verlässt zum Saisonende nach zwölf Jahren seinen Posten als Bundestrainer. Der dreimalige Olympiasieger Mark Kirchner soll sein Nachfolger werden.
Quelle: dpa
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