05.02.2010, 12:10 Uhr
Das Vorgehen gegen manche Doping-Praktiken ist laut Experten zu lasch. (Foto: imago)Auch das größte Anti-Doping-Programm der Wintersport-Geschichte kann schmutziges Gold bei den 21. Olympischen Winterspielen ab Freitag kommender Woche in Vancouver (12. bis 28. Februar) kaum verhindern. Eigenblut-Doping, Wachstumshormone und Insulin sind die Renner auf dem Markt. Schwer nachweisbar sind auch Tricks mit Fremdurin.
"Alles Mumpitz" sagt Dopinggegner Prof. Werner Franke zu den 2000 Kontrollen (inklusive 450 Bluttests), die vor und während der Spiele angekündigt sind. "Die Schwachstellen im Kampf gegen Doping sind die Behandlung mit Eigenblut, neue EPO-Präparate und Wachstumshormone", sagt Doping-Analytiker Wilhelm Schänzer, der auch davon ausgeht, dass in kraftintensiven Sportarten wie Bobfahren Steroide benutzt werden. Er räumt ein, dass auch verschiedene synthetische Insuline schwer nachweisbar sind. Allerdings können etliche von ihnen ähnlich wie das Blutdopingmittel CERA inzwischen aufgespürt werden. 2006 bei den letzten Winterspielen in Turin war dies noch nicht der Fall. Bei Nachtests wurden dann etliche Athleten überführt.
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Auch die 2000 Proben von Vancouver, die alle im Labor von Montreal analysiert werden, einer der weltweit 35 Analysestätten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), werden acht Jahre aufbewahrt. Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln: "Das schreckt ab, wenn Athleten ihre Medaillen noch Jahre später verlieren können. Aber es wird einige positive Befunde nicht verhindern."
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Bis Olympia 2002 hatte nur eine einzige Athletin bei Winterspielen eine Medaille wegen Dopings verloren: 1976 die russische Skilangläuferin Galina Kulakowa (Bronze/Ephedrin). Dann erfasste vor acht Jahren die Dopingwelle Salt Lake City. Viermal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze wurden aberkannt. Der für Spanien startende Skilangläufer Johann Mühlegg verlor gleich dreimal Gold, die Russin Olga Danilowa (ebenfalls Blutdoping) wurde ebenfalls als Olympiasiegerin disqualifiziert.
Bei der Blutdoping-Affäre 2006 in Turin wurden wie 2002 sieben Athleten ertappt, darunter sechs Biathleten und Langläufer aus Österreich. Eine Medaille verlor aber nur die russische Biathletin Olga Pylewa (Carphedon). "Ich gehe davon aus, dass in den Ausdauerwettbewerben die Mehrzahl der Spitzenathleten gedopt ist. Wer dahinreist und erwischt wird, muss aus Doofmannshausen kommen. Es wird zu unintelligent getestet", wirft Prof. Franke dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vor.
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Der Molekularbiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg fürchtet, dass auch Manipulationen trotz Beobachtung der Athleten bei der Urinabgabe nicht total unterbunden werden: "Der Trainer kommt mit einem Behälter zu seiner Athletin. Er führt über die Vagina einen Schlauch in die Blase ein und verabreicht ihr Fremdurin - und schon ist der Test nach dem Wettkampf negativ. Das geht auch bei Männern, tut nur mehr weh. Diese Praktiken sind Fakt, das will nur niemand wahrhaben."
Franke kritisiert am Anti-Doping-Kampf: "Die Beteiligten sind zu halbherzig. IGF1 (synthetisches Wachstumshormon, d. Red.) wird seit 20 Jahren genommen, aber es gibt immer noch keine Möglichkeit, es nachzuweisen. Sie schenken Sportlern Goldbarren im Wert von einer Million Dollar, aber die wirklich förderungswürdigen Dinge im Sport werden mit lächerlichen Beträgen abgespeist."
"Die einzige Chance, die unsere Gesellschaft hat, ist hart durchzugreifen gegen die Drecksäcke. Bei uns hat noch kein Arzt seine Approbation verloren, noch nicht mal die Freiburger Dopingärzte. Allein aus den USA sind mir sechs Fälle bekannt, in denen Ärzte ihren Kittel ausziehen und direkt ins Gefängnis mussten. Gültiges Recht muss konsequenter umgesetzt werden. Wir brauchen mehr Kriminalisten im Antidopingkampf. Alle anderen taugen nichts", so Franke.
Quelle: sid
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